Der Privatanleger und die Sehnsucht nach Sicherheit - Oder die Entschlüsselung des Reziklierungscodes. Und die Prognose, dass die Apple-Aktien auf 1000 Dollar gehen - höchstwahrscheinlich - wenn es nicht doch anders kommt.
Von Tonio Walter, 20. September 2012
Neulinge an der Börse tappen immer wieder in die gleichen Fallen. Typischerweise steht am Anfang ihrer Abenteuer an der Börse ein "Lucky Punch", den sie in der Naivität der Unwissenheit tätigen, ähnlich eines Las Vegas-Trips, wo man mal was riskiert und - siehe da - mal ein bisschen Schwein hat. Ähnlich eines "Lucky Beginners", der völlig unbefangen zum ersten Mal bowlen geht und alle alten Hasen von der Platte fegt.
Das Ego bläst sich auf und der Anleger denkt: "Leck mich am Arsch", bin ich gut! Er geniesst ein bisschen seinen Erfolg und macht dann weiter, auf zum nächsten "Lucky Punch". Meistens sind aber dann die folgenden Abenteuer an der Börse nicht mehr alle von so viel Glück gekennzeichnet. Am Schluss steht dann meistens ein richtiger Fehltritt, man macht einen richtig fetten Verlust und wendet sich - desillusioniert - von der Börse ab. Für immer.
Der Reiz, schnell sein Geld zu vermehren war gross - ähnlich dem Reiz - dem jemand verfällt, wenn er ins Spielkasino geht.
Man muss sich vergegenwärtigen: Seriös längerfristigen Erfolg an der Börse zu haben hat überhaupt nichts zu tun mit einem Spielkasinobesuch. Warum: Weil Know-how, Informationen und Erfahrung im Spielkasino nichts bringen - an der Börse sehr wohl. Jedoch ist die Börse ein Kosmos an Erwartungen, Massenpsychologie, Fakten, Politik, Wirtschaft und Medien, der schwer zu durchdringen ist.
Erfolg an der Börse ist das Resultat von harter Arbeit, sich Know-how anzueignen, eigenen, autodidaktischen Überlegungen die von einem gesunden Menschenverstand geleitet werden sollten sowie der nötigen Distanz zu den Geschehnissen. Denn jeder intelligente Mensch wird mir beipflichten: Was man in der Schule oder an der Uni lernt kann gut und recht sein. Was einem jedoch wirklich weiter bringt, ist meistens das, was man selbst herausgefunden hat. Oder anders ausgedrückt: Die eigenen Überlegungen. Oder anders ausgedrückt: Die wirklichen Geheimnisse verrät dir kein Professor an der Uni. Denn hätte er sie herausgefunden, wäre er wohl schon lange nicht mehr dort. Und wäre er noch dort, was unter Umständen auch Sinn machen kann, stehen die Chancen relativ schlecht, dass er dieses Wissen dem ganzen Auditorium verkündet.
Ins Spielkasino kann man also gehen, ohne irgendwelches Wissen, mit der Börse muss man sich längerfristig befassen, um die Mechanismen dort einzuschätzen zu können. Nur so ist dort ein längerfristiger Erfolg überhaupt möglich.
Die Börse ist ein Kosmos, wo alles, was auf der Welt irgendwie passiert, einfliessen KANN. Und verschiedenste Leute transportieren Informationen - sei es die Wahrheit oder nicht - sei es mit mehr oder weniger Aufmerksamkeit ganz direkt über das Internet, sei es über eine Promoagentur oder z.B. auch direkt über die etablierten Medien mit grosser Einschaltquote. Diese wiederum greifen gewissen Dinge auf, gewisse Dinge nicht, verstärken oder verzerren gewissen Dinge, bauschen Dinge auf, Spielen Dinge herunter (seltener). Kurz gesagt: Es geht von der akkuraten Darstellung, über das Verzerren, das Verschweigen, das Überbewerten, bis hin zu schlichtem Übersehen oder bewusstem Weglassen. Das heisst aber absolut nicht, dass bei den Medien schlechte Leute arbeiten, natürlich nicht. Es sind aber alles Menschen, die dort arbeiten und keine Halbgötter und nur weil es schwarz auf weiss steht oder so und 100'000 mal gedruckt wird oder ähnlich, heisst das noch lange nicht, dass es stimmt. Und das sollte man Sicht bewusst sein. Die Welt ist also ein Universum von Ansichten, Interessen, von Promotern mit finanziellen Interessen, von Selbstdarstellern und der Medien, die sich auch einem marktwirtschaftlichen Konkurrenzkampf stellen müssen etc. Und alles KANN irgendwie in die Börsen und Finanzmärkte einfliessen, muss aber nicht. Man könnte sagen, die Börsen und Finanzmärkte sind eine Art "durch den Fleischwolf der Menschen gelassene Wahrheit". Informationen oder richtige Informationen: "Wahrheiten", fliessen also nicht eins-zu-eins in die Börse ein, sondern sie werden von den Menschen oder den Medien oder irgendjemandem irgendwie rezikliert und entweder irgendwie promotet oder eben nicht promotet. Oder mehr oder weniger "promotet".
Der wirkliche Schlüssel für einen Erfolg an der Börse ist deshalb letztendlich - und es klingt etwas hochgestochen - die Entschlüsselung dieses Rezilierungscodes. Oder besser gesagt der Versuch, diesen Code so gut wie möglich immer wieder Fall für Fall "einzuschätzen".
Ist eine Information bekannt, also offiziell "veröffentlicht", kann sie heute mit den digitalen Medien innerhalb von Sekunden in die Kurse einfliessen. Sie wird eventuell (wenn die Art der Information das zulässt) bewertet, gedeutet, verschwiegen, hochgepushet, runtergespielt, umgedeutet etc. und entfaltet ihre Wirkung oder auch keine. Es kommt halt immer drauf an. Und die Kurse springen in Bruchteilen von Sekunden oder Minuten auf die Bewertung, die diese Information rechtfertigt oder besser gesagt: auf die Bewegung die die Marktteilnehmer als momentan "angemessen" erachten. Und ist etwas an der Börse so zu sagen "klar", dann ist der Kurs schon dort. Und das ist selbstverständlich so gegen Oben und gegen Unten.
Man kann zum Beispiel folgendes sagen: Wenn man jetzt davon ausgeht, dass die Apple-Aktien auf 1000 Dollar gehen, weil das iphone z.B. aus 6 verschiedenen Gründen faktisch von keinem Konkurrenten richtig angegriffen werden kann und auch das ipad nicht. Und fast jeder dieser Gründe würde fast alleine dazu ausreichen, nur in der Summe ist es glasklar - ausser es passiert etwas absolut unvorhergesehenes (was immer passieren kann, theoretisch und auch praktisch). Es ist also insgesamt ziemlich klar, dass die Apple-Aktien normalerweise auf 1000 Dollar gehen müssen, wenn man alle Faktoren halbwegs "richtig" gewichtet. Wann genau weiss aber keiner: In den nächsten 3 Monaten bis 3 Jahren. Wenn es aber todsicher wäre, dass Apple auf 1000 Dollar gehen, wäre der Kurs schon dort und man könnte mit dieser "Ansicht" auch kein (eventuelles) Geld mehr verdienen. Deshalb ist eben eine totale Sicherheit an der Börse nicht möglich und wer sie sucht, wird IMMER Schiffbruch erleiden! Weil er immer den Geschehnissen weit hinterherhinkt.
Die Leute wollen Situationen an der Börse immer mit Situationen in der Geschichte vergleichen, was grundsätzlich auch Sinn macht, wenn man die richtigen Überlegungen anstellt. Was heute z.B. ganz anders ist als in den 20er-Jahren: Die Transparenz an den Märkten ist heute viel grösser. Unternehmen etc. müssen ihre Daten mit einer höheren Frequenz offenlegen und das Internet verbreitet Informationen viel schneller und direkter als früher, etc. etc. Jedoch sind auch heute unangenehme Überraschungen möglich. Bilanzfälschungen und die Fälschung von Zahlen von ganzen Regierungen und Staaten haben uns das in den vergangen Jahren erneut verdeutlicht.
Der Hauptfaktor - der den Erfolg von Privatanlegern an der Börse aber schlicht praktisch immer verhindert ist: Die Leute wollen immer die Totale Sicherheit. Und genau das ist es, was den Erfolg verunmöglicht. Denn an der Börse gibt es schlicht keine totale Sicherheit. Es gibt nur Wahrscheinlichkeiten sowie Chancen und Risiken. Wer die totale Sicherheit sucht und will läuft genau wegen dem ins Messer! Warum?:
Weil was sicher ist, schon klar ist und zwar für alle und deshalb der Kurs schon dort ist. Steht ein Unternehmen sehr gut da, bringt einem nur das relativ wenig, wenn man investieren will. Denn der Kurs beinhaltet bereits alle Erwartungen - basierend auf den Informationen. Was einem aber Investitionschance eröffnet ist nur die Frage, wieviel der zu erwartenden Zukunft ist schon in den Kursen drin? Und ob die vorhanden Informationen von den Marktteilnehmern schon richtig oder schon "vollumfänglich" gedeutet werden. Oder anders gesagt: Sind die in den Kursen eingereisten Erwartungen höher oder tiefer als die tatsächlich zu erwartende Zukunft. Vor allem diese Überlegung sowie die richtige Einschätzung dessen eröffnet Chancen, an der Börse etwas zu verdienen. Man muss abschätzen, was die Marktteilnehmer von einem Unternehmen erwarten und sich dann überlegen: "Ist das alles schon in den Kursen drin oder noch nicht"?
Die Bewertung von Unternehmen ist teilweise auch sehr abhängig von der Stimmung an der Börse sowie der gesamten Marktverfassung. Unternehmen können mit den gleichen mittel- und langfristig zu erwartenden Aussichten an der Börse um sogar das vielfache anders bewertet sein. Beispielsweise waren die Apple-Aktien nach der Präsentation des iphones bei über 200 Dollar und als dann die Finanzkrise über die Märkte hereinbrach hielten sie sich sehr lange, viel länger als der Gesamtmarkt, aber nach einigen Monaten brachen auch die Apple-Aktien ein. Der Auslöser dieser kurzfristigen Korrektur war nur der Kommentar des Managements, dass sie bezüglich der Konjunktur nicht genau sagen können, wie sich die Zahlen kurzfristig entwickeln werden. Die längerfristigen Aussichten des Unternehmens - und damit das einzig Ausschlag gebende für den längerfristigen Unternehmenswert - blieben aber exakt die gleichen. Dennoch bracht die Aktie in Raten auf 80 Dollar zusammen.
Solche Phasen sind dazu prädestiniert, richtig etwas zu verdienen. Jedoch hat dann niemand den Mut, einzusteigen. Warum: Der Mensch verhält sich sehr oft schlicht als Herdentier, das sich nach dem Strom richten und nicht den Mut hat eine eigene Einschätzung zu machen und ihr zu folgen. In solchen Phasen muss man versuchen, einen klaren Kopf zu bewahren und sich immer wieder selber die längerfristigen Aussichten eines Unternehmens vor Augen halten - also die Chancen - unabhängig von der aktuellen Marktstimmung, die die Risiken aktuell eventuell extrem gewichtet. Immer in Tranchen investieren. In Tranchen ein und in Tranchen aussteigen. So kann man die Geschehnisse an der Märkten etwas relativieren und erhält ausgeglichenere Einstiegs- und Ausstiegskurse und wird weniger von von Rationalität abgekoppelten Emotionen an der Börse überrannt oder beeinflusst.
Der unerfahrene Investor sucht aber immer die möglichst totale Sicherheit: Und in solchen Phasen ist oberflächlich betrachtete die Sicherheit sehr gering. Weil sich das "Level" der Sicherheit dann aber auch in den Kurse sich widerspiegelt - also die Kurse wegen der "vermeintlichen" Unsicherheit tiefer sind - ist genau dann aber eben die "Sicherheit" oft viel grösser. Weil schlicht die Kurse sich auf ein z.B. sehr "vernünftiges" (oder je nach Situation) Niveau zurückgezogen haben. Weicht dann die generelle Unsicherheit wieder langsam aus dem Markt, steigen die Kurse, obwohl sich fundamental an dem Unternehmen überhaupt nichts verändert hat.
Umgekeht denkt der unerfahrene Anleger: Wenn sich die Kurse schon lange erholt haben und schon Monate oder gar Jahre nach oben zeigen, jetzt sei alles sicher und man könne einsteigen. Genau das Gegenteil ist dann oft der Fall: Der Privatanleger wartet so lange, bis es scheinbar sicher aussieht. Er wartet so lange, bis die Kurse Höhen erreicht haben, bei denen die kleinste Enttäuschung schon zu einem Kurseinbruch führt. Er lässt sich vom Herdentrieb verleiten und schmeisst sein Geld in den Markt, weil er nun auch endlich profitieren will.
Vermeintliche Unsicherheit an der Börse kann also eher das Gegenteil bedeuten, nämlich steigende Sicherheit. Es klingt paradox, ist es aber nicht.
Aber eben, diese Regeln sind immer "Gewichtungsregeln". Man muss sie immer auf die aktuelle Situation "extrapolieren". Man kann schon auch vergangene Marktauf- oder Abschwünge oder ähnliches und die Geschichte zu Rate ziehen, muss sich allerdings immer überlegen: Welche Faktoren sind heute auch wieder die Gleichen, welche sind aber anders. Dann muss man sich überlegen, was das für die Endeinschätzung bedeutet und ob die Einschätzung der heutigen Situation nicht eventuell sehr von der "verglichenen" Situation divergieren muss! Man kann halt nicht Kaulquappen mit Bananen vergleichen, nur weil Bananen und Kaulquappen im Wasser schwimmen.
Der Mensch assoziiert gerne sehr oberflächlich, und kommt dann oft zu den falschen Schlüssen. Beispielsweise schreibt sich jemand auf die Fahne "Contrairian" zu sein. Also jemand, der gegen den Strom schwimmt und fühlt sich ultra cool dabei. Ein Hype oder so, das ist ihm "immer" suspekt und er setzt frohen Mutes und in Ultra cooler "Contrairian"-Stimmung dagegen, oft ohne sich mit dem Thema überhaupt richtig zu befassen. Wäre er schlau, wäre er nicht einfach "Contrairian", weil das cool ist, sondern er würde den aktuellen Hype richtig analysieren und sich erst dann entscheiden, ob er auf den Hype oder gegen den Hype setzen will. Jedoch, weil ihm der Hype generell unsympathisch ist wie ihm jeder Hype unsympathisch ist, setzt er dagegen, ohne sich detailliert selbst mit dem Thema zu befassen oder lässt mindestens die Finger von den Aktien dieses "Hopes". Jedoch kann ein Hype sehr wohl ausgenutzt werden, um an der Börse Erfolg zu haben und zwar auch "in Richtung" des Hopes: man muss einfach die konkrete Situation genau analysieren. Ist der Hype völlig übertrieben, oder ist der Hype sogar noch "untertrieben", das kann nämlich auch sein. Man muss sich fragen, wie gross ist der Hype im Vergleich zur tatsächlich zu erwartenden Zukunft. Und: Welche positive Effekte hat der Hype selbst z.B. auf das "getypte" Produkte etc.. Gibt es Faktoren, die noch gar nicht richtig eingeschätzt werden. Die entweder noch nicht gebührend honoriert werden oder die schon zu stark gewichtet werden. Es kommt halt immer auf alle Faktoren an und insbesondere auf die aktuell angezeigte GEWICHTUNG der Faktoren.
Man muss sich also sein eigenes Bild machen und kann sich nicht oberflächlich von dem Leiten lassen, was einem so allgemein von den Medien etc. "serviert" wird. Ansonsten hat man absolut keine Chance, an der Börse langfristig Geld zu verdienen. Es gibt an der Börse keine totale Sicherheit. Es ist immer ein Abwägen von Chancen und Risiken, der Versucht der möglichst richtigen Gewichtung der Chancen und Risiken. Es gibt keine Sicherheit - man muss an der Börse mit Wahrscheinlichkeiten rechnen.
Das Ego bläst sich auf und der Anleger denkt: "Leck mich am Arsch", bin ich gut! Er geniesst ein bisschen seinen Erfolg und macht dann weiter, auf zum nächsten "Lucky Punch". Meistens sind aber dann die folgenden Abenteuer an der Börse nicht mehr alle von so viel Glück gekennzeichnet. Am Schluss steht dann meistens ein richtiger Fehltritt, man macht einen richtig fetten Verlust und wendet sich - desillusioniert - von der Börse ab. Für immer.
Der Reiz, schnell sein Geld zu vermehren war gross - ähnlich dem Reiz - dem jemand verfällt, wenn er ins Spielkasino geht.
Man muss sich vergegenwärtigen: Seriös längerfristigen Erfolg an der Börse zu haben hat überhaupt nichts zu tun mit einem Spielkasinobesuch. Warum: Weil Know-how, Informationen und Erfahrung im Spielkasino nichts bringen - an der Börse sehr wohl. Jedoch ist die Börse ein Kosmos an Erwartungen, Massenpsychologie, Fakten, Politik, Wirtschaft und Medien, der schwer zu durchdringen ist.
Erfolg an der Börse ist das Resultat von harter Arbeit, sich Know-how anzueignen, eigenen, autodidaktischen Überlegungen die von einem gesunden Menschenverstand geleitet werden sollten sowie der nötigen Distanz zu den Geschehnissen. Denn jeder intelligente Mensch wird mir beipflichten: Was man in der Schule oder an der Uni lernt kann gut und recht sein. Was einem jedoch wirklich weiter bringt, ist meistens das, was man selbst herausgefunden hat. Oder anders ausgedrückt: Die eigenen Überlegungen. Oder anders ausgedrückt: Die wirklichen Geheimnisse verrät dir kein Professor an der Uni. Denn hätte er sie herausgefunden, wäre er wohl schon lange nicht mehr dort. Und wäre er noch dort, was unter Umständen auch Sinn machen kann, stehen die Chancen relativ schlecht, dass er dieses Wissen dem ganzen Auditorium verkündet.
Ins Spielkasino kann man also gehen, ohne irgendwelches Wissen, mit der Börse muss man sich längerfristig befassen, um die Mechanismen dort einzuschätzen zu können. Nur so ist dort ein längerfristiger Erfolg überhaupt möglich.
Die Börse ist ein Kosmos, wo alles, was auf der Welt irgendwie passiert, einfliessen KANN. Und verschiedenste Leute transportieren Informationen - sei es die Wahrheit oder nicht - sei es mit mehr oder weniger Aufmerksamkeit ganz direkt über das Internet, sei es über eine Promoagentur oder z.B. auch direkt über die etablierten Medien mit grosser Einschaltquote. Diese wiederum greifen gewissen Dinge auf, gewisse Dinge nicht, verstärken oder verzerren gewissen Dinge, bauschen Dinge auf, Spielen Dinge herunter (seltener). Kurz gesagt: Es geht von der akkuraten Darstellung, über das Verzerren, das Verschweigen, das Überbewerten, bis hin zu schlichtem Übersehen oder bewusstem Weglassen. Das heisst aber absolut nicht, dass bei den Medien schlechte Leute arbeiten, natürlich nicht. Es sind aber alles Menschen, die dort arbeiten und keine Halbgötter und nur weil es schwarz auf weiss steht oder so und 100'000 mal gedruckt wird oder ähnlich, heisst das noch lange nicht, dass es stimmt. Und das sollte man Sicht bewusst sein. Die Welt ist also ein Universum von Ansichten, Interessen, von Promotern mit finanziellen Interessen, von Selbstdarstellern und der Medien, die sich auch einem marktwirtschaftlichen Konkurrenzkampf stellen müssen etc. Und alles KANN irgendwie in die Börsen und Finanzmärkte einfliessen, muss aber nicht. Man könnte sagen, die Börsen und Finanzmärkte sind eine Art "durch den Fleischwolf der Menschen gelassene Wahrheit". Informationen oder richtige Informationen: "Wahrheiten", fliessen also nicht eins-zu-eins in die Börse ein, sondern sie werden von den Menschen oder den Medien oder irgendjemandem irgendwie rezikliert und entweder irgendwie promotet oder eben nicht promotet. Oder mehr oder weniger "promotet".
Der wirkliche Schlüssel für einen Erfolg an der Börse ist deshalb letztendlich - und es klingt etwas hochgestochen - die Entschlüsselung dieses Rezilierungscodes. Oder besser gesagt der Versuch, diesen Code so gut wie möglich immer wieder Fall für Fall "einzuschätzen".
Ist eine Information bekannt, also offiziell "veröffentlicht", kann sie heute mit den digitalen Medien innerhalb von Sekunden in die Kurse einfliessen. Sie wird eventuell (wenn die Art der Information das zulässt) bewertet, gedeutet, verschwiegen, hochgepushet, runtergespielt, umgedeutet etc. und entfaltet ihre Wirkung oder auch keine. Es kommt halt immer drauf an. Und die Kurse springen in Bruchteilen von Sekunden oder Minuten auf die Bewertung, die diese Information rechtfertigt oder besser gesagt: auf die Bewegung die die Marktteilnehmer als momentan "angemessen" erachten. Und ist etwas an der Börse so zu sagen "klar", dann ist der Kurs schon dort. Und das ist selbstverständlich so gegen Oben und gegen Unten.
Man kann zum Beispiel folgendes sagen: Wenn man jetzt davon ausgeht, dass die Apple-Aktien auf 1000 Dollar gehen, weil das iphone z.B. aus 6 verschiedenen Gründen faktisch von keinem Konkurrenten richtig angegriffen werden kann und auch das ipad nicht. Und fast jeder dieser Gründe würde fast alleine dazu ausreichen, nur in der Summe ist es glasklar - ausser es passiert etwas absolut unvorhergesehenes (was immer passieren kann, theoretisch und auch praktisch). Es ist also insgesamt ziemlich klar, dass die Apple-Aktien normalerweise auf 1000 Dollar gehen müssen, wenn man alle Faktoren halbwegs "richtig" gewichtet. Wann genau weiss aber keiner: In den nächsten 3 Monaten bis 3 Jahren. Wenn es aber todsicher wäre, dass Apple auf 1000 Dollar gehen, wäre der Kurs schon dort und man könnte mit dieser "Ansicht" auch kein (eventuelles) Geld mehr verdienen. Deshalb ist eben eine totale Sicherheit an der Börse nicht möglich und wer sie sucht, wird IMMER Schiffbruch erleiden! Weil er immer den Geschehnissen weit hinterherhinkt.
Die Leute wollen Situationen an der Börse immer mit Situationen in der Geschichte vergleichen, was grundsätzlich auch Sinn macht, wenn man die richtigen Überlegungen anstellt. Was heute z.B. ganz anders ist als in den 20er-Jahren: Die Transparenz an den Märkten ist heute viel grösser. Unternehmen etc. müssen ihre Daten mit einer höheren Frequenz offenlegen und das Internet verbreitet Informationen viel schneller und direkter als früher, etc. etc. Jedoch sind auch heute unangenehme Überraschungen möglich. Bilanzfälschungen und die Fälschung von Zahlen von ganzen Regierungen und Staaten haben uns das in den vergangen Jahren erneut verdeutlicht.
Der Hauptfaktor - der den Erfolg von Privatanlegern an der Börse aber schlicht praktisch immer verhindert ist: Die Leute wollen immer die Totale Sicherheit. Und genau das ist es, was den Erfolg verunmöglicht. Denn an der Börse gibt es schlicht keine totale Sicherheit. Es gibt nur Wahrscheinlichkeiten sowie Chancen und Risiken. Wer die totale Sicherheit sucht und will läuft genau wegen dem ins Messer! Warum?:
Weil was sicher ist, schon klar ist und zwar für alle und deshalb der Kurs schon dort ist. Steht ein Unternehmen sehr gut da, bringt einem nur das relativ wenig, wenn man investieren will. Denn der Kurs beinhaltet bereits alle Erwartungen - basierend auf den Informationen. Was einem aber Investitionschance eröffnet ist nur die Frage, wieviel der zu erwartenden Zukunft ist schon in den Kursen drin? Und ob die vorhanden Informationen von den Marktteilnehmern schon richtig oder schon "vollumfänglich" gedeutet werden. Oder anders gesagt: Sind die in den Kursen eingereisten Erwartungen höher oder tiefer als die tatsächlich zu erwartende Zukunft. Vor allem diese Überlegung sowie die richtige Einschätzung dessen eröffnet Chancen, an der Börse etwas zu verdienen. Man muss abschätzen, was die Marktteilnehmer von einem Unternehmen erwarten und sich dann überlegen: "Ist das alles schon in den Kursen drin oder noch nicht"?
Die Bewertung von Unternehmen ist teilweise auch sehr abhängig von der Stimmung an der Börse sowie der gesamten Marktverfassung. Unternehmen können mit den gleichen mittel- und langfristig zu erwartenden Aussichten an der Börse um sogar das vielfache anders bewertet sein. Beispielsweise waren die Apple-Aktien nach der Präsentation des iphones bei über 200 Dollar und als dann die Finanzkrise über die Märkte hereinbrach hielten sie sich sehr lange, viel länger als der Gesamtmarkt, aber nach einigen Monaten brachen auch die Apple-Aktien ein. Der Auslöser dieser kurzfristigen Korrektur war nur der Kommentar des Managements, dass sie bezüglich der Konjunktur nicht genau sagen können, wie sich die Zahlen kurzfristig entwickeln werden. Die längerfristigen Aussichten des Unternehmens - und damit das einzig Ausschlag gebende für den längerfristigen Unternehmenswert - blieben aber exakt die gleichen. Dennoch bracht die Aktie in Raten auf 80 Dollar zusammen.
Solche Phasen sind dazu prädestiniert, richtig etwas zu verdienen. Jedoch hat dann niemand den Mut, einzusteigen. Warum: Der Mensch verhält sich sehr oft schlicht als Herdentier, das sich nach dem Strom richten und nicht den Mut hat eine eigene Einschätzung zu machen und ihr zu folgen. In solchen Phasen muss man versuchen, einen klaren Kopf zu bewahren und sich immer wieder selber die längerfristigen Aussichten eines Unternehmens vor Augen halten - also die Chancen - unabhängig von der aktuellen Marktstimmung, die die Risiken aktuell eventuell extrem gewichtet. Immer in Tranchen investieren. In Tranchen ein und in Tranchen aussteigen. So kann man die Geschehnisse an der Märkten etwas relativieren und erhält ausgeglichenere Einstiegs- und Ausstiegskurse und wird weniger von von Rationalität abgekoppelten Emotionen an der Börse überrannt oder beeinflusst.
Der unerfahrene Investor sucht aber immer die möglichst totale Sicherheit: Und in solchen Phasen ist oberflächlich betrachtete die Sicherheit sehr gering. Weil sich das "Level" der Sicherheit dann aber auch in den Kurse sich widerspiegelt - also die Kurse wegen der "vermeintlichen" Unsicherheit tiefer sind - ist genau dann aber eben die "Sicherheit" oft viel grösser. Weil schlicht die Kurse sich auf ein z.B. sehr "vernünftiges" (oder je nach Situation) Niveau zurückgezogen haben. Weicht dann die generelle Unsicherheit wieder langsam aus dem Markt, steigen die Kurse, obwohl sich fundamental an dem Unternehmen überhaupt nichts verändert hat.
Umgekeht denkt der unerfahrene Anleger: Wenn sich die Kurse schon lange erholt haben und schon Monate oder gar Jahre nach oben zeigen, jetzt sei alles sicher und man könne einsteigen. Genau das Gegenteil ist dann oft der Fall: Der Privatanleger wartet so lange, bis es scheinbar sicher aussieht. Er wartet so lange, bis die Kurse Höhen erreicht haben, bei denen die kleinste Enttäuschung schon zu einem Kurseinbruch führt. Er lässt sich vom Herdentrieb verleiten und schmeisst sein Geld in den Markt, weil er nun auch endlich profitieren will.
Vermeintliche Unsicherheit an der Börse kann also eher das Gegenteil bedeuten, nämlich steigende Sicherheit. Es klingt paradox, ist es aber nicht.
Aber eben, diese Regeln sind immer "Gewichtungsregeln". Man muss sie immer auf die aktuelle Situation "extrapolieren". Man kann schon auch vergangene Marktauf- oder Abschwünge oder ähnliches und die Geschichte zu Rate ziehen, muss sich allerdings immer überlegen: Welche Faktoren sind heute auch wieder die Gleichen, welche sind aber anders. Dann muss man sich überlegen, was das für die Endeinschätzung bedeutet und ob die Einschätzung der heutigen Situation nicht eventuell sehr von der "verglichenen" Situation divergieren muss! Man kann halt nicht Kaulquappen mit Bananen vergleichen, nur weil Bananen und Kaulquappen im Wasser schwimmen.
Der Mensch assoziiert gerne sehr oberflächlich, und kommt dann oft zu den falschen Schlüssen. Beispielsweise schreibt sich jemand auf die Fahne "Contrairian" zu sein. Also jemand, der gegen den Strom schwimmt und fühlt sich ultra cool dabei. Ein Hype oder so, das ist ihm "immer" suspekt und er setzt frohen Mutes und in Ultra cooler "Contrairian"-Stimmung dagegen, oft ohne sich mit dem Thema überhaupt richtig zu befassen. Wäre er schlau, wäre er nicht einfach "Contrairian", weil das cool ist, sondern er würde den aktuellen Hype richtig analysieren und sich erst dann entscheiden, ob er auf den Hype oder gegen den Hype setzen will. Jedoch, weil ihm der Hype generell unsympathisch ist wie ihm jeder Hype unsympathisch ist, setzt er dagegen, ohne sich detailliert selbst mit dem Thema zu befassen oder lässt mindestens die Finger von den Aktien dieses "Hopes". Jedoch kann ein Hype sehr wohl ausgenutzt werden, um an der Börse Erfolg zu haben und zwar auch "in Richtung" des Hopes: man muss einfach die konkrete Situation genau analysieren. Ist der Hype völlig übertrieben, oder ist der Hype sogar noch "untertrieben", das kann nämlich auch sein. Man muss sich fragen, wie gross ist der Hype im Vergleich zur tatsächlich zu erwartenden Zukunft. Und: Welche positive Effekte hat der Hype selbst z.B. auf das "getypte" Produkte etc.. Gibt es Faktoren, die noch gar nicht richtig eingeschätzt werden. Die entweder noch nicht gebührend honoriert werden oder die schon zu stark gewichtet werden. Es kommt halt immer auf alle Faktoren an und insbesondere auf die aktuell angezeigte GEWICHTUNG der Faktoren.
Man muss sich also sein eigenes Bild machen und kann sich nicht oberflächlich von dem Leiten lassen, was einem so allgemein von den Medien etc. "serviert" wird. Ansonsten hat man absolut keine Chance, an der Börse langfristig Geld zu verdienen. Es gibt an der Börse keine totale Sicherheit. Es ist immer ein Abwägen von Chancen und Risiken, der Versucht der möglichst richtigen Gewichtung der Chancen und Risiken. Es gibt keine Sicherheit - man muss an der Börse mit Wahrscheinlichkeiten rechnen.