Was erlauben Apple?

Von Tonio Walter, 7. August 2013

Geht der Apfel auf 1000 oder ist der Wurm drin?

Mulittouch Interface – Easy to use - Apples “Ecosystem” – Viren? - Apps – Musik in der DNA: Reicht das? Unser Kursziel von 1000 Dollar bleibt.

2007 wurde eine neue Generation von Smartphones ins Leben gerufen und damit ein Handy lanciert, wonach sich viele irgendwie gesehnt hatten. Der Hauptgrund, warum diese neuen Handys wirklich revolutionär waren – der aber oft unterschlagen wird – ist das Multitouch Interface. Von Apple patentiert “bis an den Bach 'runter” oder wie Steve Jobs es ausdrückte: “and oh Boy, did we patent it!!”. Vielen scheint das immer noch ein “hidden factor” zu sein. Jeder, der mal ein iphone oder ipad in der Hand hat, hat es aber “gefühlt”. Ich klinge wie die Promoabteilung von Apple, aber das ist nur im oberflächlichen Blick so. Wenn man behauptet ein technisches Gerät funktioniere “like magic”, schmunzeln viele, weil ihr Setup im Hirn für diese Konstellation kaum Vergleichsmomente kennt. Momenten nämlich, in denen diese Aussage einfach nicht übertrieben, sondern genau zutreffend ist. Dieses Mulititouch Interface ist in Tat und Wahrheit so revolutionär wie damals die Computermaus. Eine neue “Benutzerschnittstelle”, die Schnittstelle Mensch – Maschine. Neu war nicht der Touchsceen an sich, jedoch dessen revolutionäre Umsetzung. Diese neue Umsetzung in Hardware und Software integrierte erstmals den Menschen effektiv in die Maschine, indem er die organischen Bewegungen des Menschen irgendwie 1 zu 1 weiterzuleiten vermag, mindestens fühlt es sich so an! Und die Konkurrenz scheint sich genau dort - bei einem DER zentralen Faktoren - immer noch die Zähne auszubeissen, nach 6 Jahren!! Warum?

In der Volkswirtschaftslehre gibt es die Theorie der “vollständigen Konkurrenz”. Sie besagt, dass theoretisch ein Unternehmen gar keinen Gewinn machen kann, weil - sobald sich mit einem Produkt Gewinn erziehen lässt - so viele Konkurrenten in den Markt drängen, dass der Wettbewerb so schnell und intensiv ansteigt und als Folge der Gewinn (die Margen) auch schon wieder dahin sind. Diese Theorie trifft Gott sei dank in der Realität nicht in “Reinkultur” zu, die Märkte sind nicht so vollkommen “effizient”, wie in der Theorie. Die Realtität geht aber ein bisschen in diese Richtung: Insbesondere wenn ein Unternehmen riesige Gewinne mit extrem hohen Gewinnmargen einfährt, wie es Apple mit dem iphone und ipad in den letzten Jahren getan hat. Dann wird die Konkurrenz auf den Plan gerufen und bläst zur Attacke. Inbesondere, wenn es sich um einen der grössten Märkte überhaupt handelt. Die Margen können dann nur dann längerfristig gehalten werden, wenn ein Unternehmen einen wirklichen Vorsprung wie eine technologieführerschaft halten kann oder andere nachhaltige Differenzierungsmöglichkeiten hat.

Microsoft, Nokia, Samsung etc. Alle hatten sich nach der Lancierung des iphone in den Arsch gebissen :-). Und in ein zwei Jahren war der Rückstand auch annähernd gar nicht aufzuholen. Apple konnte völlig relaxed der Agenda folgen und die Geräte mit einer unglaublichen Macht nach Belieben im Markt plazieren. Sie hatten eigentlich nur ein Problem: “Everybody wants more supply”.

Die Konkurrenz versuchte aufzuholen und blies dann letztes Jahr nach ein paar Jahren “Rückstand Aufholen”, mit Milliarden-Werbebudgets zum Gegenangriff: Leicht bedauernswert war das teilweise schon: Microsoft etwa versuchte mit einem riesigen Marketing-Aufwand, sein neues Tablet “Suface” in den Markt zu drücken. Ohne durchschlagenden Erfolg. Besser machte es Samsung, stetzte auf Google's Andoid-SW-Plattform und punktete mit grösseren Handy-Displays am Markt. Die Android-Software hat sich als Alternative zur iOS-Plattform von Apple etabliert, die entsprechenden Geräte verschiedenster Hersteller werden auch fast alle zu einem weiteraus günstigereren Preis angeboten. Und haben Apple in den verganenen Quartalen Marktanteile abgejagt. Jedoch in einem stark wachsenden Smartphone-Markt.

Aber wie geht es nun weiter? Apple hat den Touchscreen genau so wenig erfunden wie den Tablet-PC. Jedoch haben Sie es irgendwie fast zur “Vollendung” neu umgesetzt. Weil wenn ich mit dem Finger eine Maschine bedienen soll, der nicht so punktgenau steuert wie eine Computermaus oder ein “Stift”, dann will ich den Vorteil meiner Feinmotorik und den elektromagnetischen Kontakt des Fingers oder eben DER Finger nutzen können und so das Interface ultra fein und Genau steuern, nicht durch eine kleine Berührungsfläche immer am gleichen Ort, sondern über eine kleine Berührungsfläche, wo auch immer am Finger. Deshalb wurde aus dem bis dahin mechanisch amutenden Touchscreen-Interface ein Multtouch-Interface, das effektiv die Feinmotirik des Menschen in die Maschine “übersetzt”. So gesehen hat Apple aus dem schon lange “existenten” Table-PC-Markt – vor allem auch wegen der neuen Bedienungs-Oberfläche – einen Massenmarkt geschaffen. Anders ausgedrückt: Alle Faktoren zusammen, aber fussend auf dem Multitouch Interface, hat sich diese Produktkategorie durchgestetzt. Auf diesem Markt, versucht nun die Konkurrenz seit 2 Jahren immer intensiver trittbrett zu fahren, ohne dass sie wirklich ihre Technolgoie angemessen angepasst hätten. So kann man es ausdrücken. Die Leute lassen sich blenden von Bling-Bling und grösseren Displays und vor allem tieferen Preisen. Viele merken dann aber bald, dass es einfach “nicht so geil” ist. Sie können es vielleicht nicht richtig einordnen oder erklären ,jedoch merken Sie, dass es nicht so geil ist. Deshalb ist die Produkttreue dort wohl sehr überschaubar.

Warum die Konkurrenz dieses Multitouch Interface immer noch nicht hat kopieren können, ist schwer zu sagen. Ist es, weil Apple alles so extrem “patentiert” hat, oder aus anderen Gründen? Der Verdacht liegt nahe, dass es letztlich an Apple's Ecosystem liegt: Apple designt Hardware und Software, kann Hardware und Software genau aufeinander abstimmen. Die Android-Software muss umgekehrt mit Dutzenden von verschiedenen Handys und Herstellern funktionieren/ kommunizieren – weshalb eine gleich präzise Abstimmung der Software mit den Komponenten, der Oberfläche etc., praktisch unmöglich scheint!

Das ist übrigens auch der Hauptgrund warum es bei Apple immer noch kaum ein Virenproblem gibt. Weil die Software präszise und damit “dicht” programmiert werden kann und so keine “Schlupflöcher” lässt, wie bei Software, die auf zig verschiedenen Komponenten, Geräten und Herstellern “komunizieren” und “funtionieren” muss. Voilà!

Jedoch ist diese Koppelung von Hardware und Software generell gesprochen ein ein riesiger Nachteil, um eine neue Plattform zu etablieren. Weil man ein geschlossenes System hat – und ein geschlossenes System ruft immer viel mehr wiederstände auf den Plan, weil es eben geschlossen ist und von nur einer Firma kontrolliert wird. Software-Entwickler etwa sind dann einer einzigen Firma ausgelierfert und das mögen sie nicht.

Apple hat durch seine Innovation die Implementierung dieser Plattform für mobile Computer, oder Post-PC-Devices - im Markt aber ermöglicht, weil das Unternehmen der Zeit um Längen voraus war. Der zweite geniale Schachzug war dann die Lancierung des App-Stores, der einen neue Software-Plattform ins Leben rufte, wo auch kleine Entwickler mit wenig Aufwand Applikationen entwickeln und anschliessen ohne grossen Aufwand anbieten konnten. Denn Steve Jobs wollte nicht zweimal den gleichen Fehler machen: Apple hatte dazumal beim Rennen zwischen Mac und PC verloren, obwohl sich viele einige waren, dass die Mac-Plattform “besser” war: Warum: Weil Microsoft es geschafft hatte, die damals von IBM entwickelte MS-DOS-Plattform und damals am weitesten verbreitete Plattform allesamt mit ihrer Software zu bestücken. IBM merkte erst später, was für einen riesen Gefallen sie Mircosoft damit getan hatten. Denn weil nun Windows auf den meisten Rechnern lief, hatten Software-Entwickler einen viel grösseren monetären Anreiz, für Windows Applikationen zu programmieren als für die eingenltich “besseren” Macs.

Wie geht es aber nun weiter?

Apple sieht sich intensivierter Konkurrenz gegenüber, keine Frage und das drückt auf die – für die Unternehmensbewertung so wichtigen Gewinnmargen. Und vermutlich werden die Gewinnmargen auch weiter sinken. Die Frage ist, wie stark und ob Apple diese sinkenden Gewinnnmargen mit Umsatzwachstum wettmachen kann. Ein grosses plus für Apple ist die Kundenzufriedenheit, die beim Unternehmen aus Cupertino nie gesehene Werte in der Branche erreicht. Und das hängt unter anderem auch mit diesem, offenbar kaum zu kopierenden, Multitouch Interface zusammen, wie oben besprochen. Aber nicht nur: Es ist auch die ganze Systemarchitektur, das “Ecosystem”, das keine Fragen offen lässt und von oben bis unten intuitiv zu bedienen ist: “Easy to use”.

Vor 40 Jahren dachte man in der Branche noch, dass Menschen eine Programmiersprache lernen würden wie ihre 2. Muttersprache oder eine Fremdsprache. Es hat sich aber herausgestellt, dass das nicht so ist. Der Mensch will keine Doktorarbeit schreiben, um mit Maschinen zu interagieren, er möchte, dass die Maschine seine Sprache lernt! Die Maschine muss “fühlen lernen”. Und das Mulitouch Interace von Apple ist bislang immer noch das einzige, das wirklich fühlen gelernt hat. Und das ist einer der Hauptgründe, warum 90% der User, die iOS-Gerate benutzen, Apple bei ihrem nächsten Kauf treu bleiben. Ein Fabelwert, der von keinem Hersteller in dieser Branche auch nur annähernd erreicht wird.

Die Quartalszahlen, die Ende Juli veröffentlicht wurden zeigen, dass die Milliarden Marketing-Gelder, die die Konkurrenz in ihre Produkte gesteckt hat und die zum Teil “Dumpingpreise” (fast nur Samsung macht aktuell neben Apple überhaupt Gewinn mit Handys) teilweise ziemlich verpufft zu sein scheinen. Apple hat seinen Marktanteil bei Smartphones wieder um über 5% auf über 30% ausgedehnt. Das könnte eine Trendwende sein.

Ein weitere Grund spricht für Apple: Die Apps laufen generell auf der iOS-Plattform einfach besser als auf der Android-Plattform. Warum: Gleicher Grund: Weil die Software bei Apple mit nur einem Hardware-Design kommunizieren muss. Das macht die Programmierung einfacher und eröffnet schlicht offenbar einfach auch ganz andere Möglichkeiten.

Hinzu kommt, dass der Smartphone-Markt, in dem sich Apple bewegt, ein Wachstumsmarkt bleibt. Also auch wenn die Marktanteile fallen sollten, kann ein Unternehmen in dem Markt weiter wachsen.

Und der Table-PC-Markt, ist der noch ein Wachstumsmarkt? Das würde ich doch annehmen! Ich denke nicht, dass die Idee Multitouch-Interface und Table-PC in der “organischen” Umsetzung schon ausgereizt ist: Schnellere Prozessoren, oder immer neue “Sensoren” in den Geräten ermöglichen immer neue und noch spektakulärere Anwendung und zwar durchs Band – von Gaming bis Spitalbetrieb oder Anwendungen für E-Learning etc.

Der PC-Markt ist über Jahrzente gewachsen, wieso sollte der Tablet-PC-Markt schon ausgereizt sein. Klar, er hat sich ultra schnell etabliert und hat in kürzester Zeit ein riesiges Volumen erreicht. Aber ob das schon die Spitze war – wahrscheinlich nicht. Ganz andere Dinge sind noch denkbar, wenn man den Gedanken und der Phantasie freien Lauf lässt.

Hinzu kommt Apple TV: Wird Apple TV ein Gigantisches ipad, das mit ganz anderen Rechnerleistungen und grösseren Bildschirmgrössen noch eine ganze andere Dimension des Multitouch-Interfaces einläutet? Gesteuert mit einem iphone oder ipad Mini bequem vom Sofa aus?

Was für Gaming-Erlebnisse erwarten die kids – da doch die Konkurrenz ihre Games immer noch mit Tastatur, Pfeilen oder bestenfalls einem Joy-Stick steuert? Der Joy-Stick weiss nicht in welcher Lage er sich befindet. Das iOS-Gerät schon. Vieles ist denkbar, jedoch ist natürlich die Frage, ob die Umsetzung und die Implementierung in den Markt gelingt. Aber was schon sicher ist, wissen wir schon. Und mit was schon totsicher ist, hat noch niemand Geld an der Börse verdient. Weil alles dann schon im Aktienkurs drin wäre.

Als letzter Grund sei die Bewertung der Apple-Valoren aufgeführt: Apple ist faktisch aktuell als Value-Stock bewertet. Der Kurs kann also ungefähr stabil bleiben, wenn Apple nicht mehr wächst. Klar, die hohen Gewinnmargen zu halten wird schwierig, so gesehen muss Apple mindestens so stark wachsen, dass das Unternehmen ev. weiter schwindende Margen wettmachen kann. Ob Apple aber wirklich darüber hinaus nicht mehr wächst, ist aus den oben beschriebenen Gründen doch recht fraglich... Apple ist von einer völlig eurphorischen Bewertung durch die Börse und überbordenem postitivem Momentum nach und nach zu einer vernünftigeren Bewertung und schliesslich zu einer extrem nüchternen Bewertung und dem damit verbundenen negativen Momentum gelangt. Hinzu kommt, dass institutionelle Investoren – weil sie vom Ende oder vorübergehenden Ende der Apple-Wachstumsstory ausgegangen sind – wohl Apple-Aktien über monate Stück für Stück an den Markt abgegeben haben und so die Kurse schlicht auch in den Keller getrieben haben. In wahrscheinlich massiv übertriebenem Masse. Denn was man auch immer wieder vergisst, sind die leider technischen Einflüsse der Finanzmärkte und ihrer Akteure auf die Kurse: So kann ein institutioneller Investor oder sonstiger grosser Investor - wenn er für beispielsweise 5 Milliarden Dollar Apple-Aktien besitzt – diese beispielsweise gar nicht verkaufen, ohne einen massiven (negativen) Einfluss auf die Kursentwicklung auszuüben.